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1931: DANZIG

Im damaligen Freistaat Danzig wurde bei der 2. Internationalen Polizeisternfahrt der erste "Kongress" abgehalten. Der deutsche Reichsausschuss für Polizeisport hatte einen Vertreter (Beobachter) entsandt. Von diesem Zeitpunkt an wurde der Gedanke dieser Sternfahrt auch amtlich gefördert, jedoch verblieb in Deutschland die Initiative bei den Polizeisportvereinen, da die Länder (Polizei ist Ländersache) selber mit größten Schwierigkeiten bei der Motorisierung zu kämpfen hatten.

"Die schöne, alte Hansestadt Danzig war gleichzeitig der östlichste Punkt, den unsere Sternfahrer berührten," schrieb ein Chronist. Doch seit 1992 hat dieser Satz keine Gültigkeit mehr!

In der Danziger Zeitung vom 31.08.1931 kann man über die Sternfahrt folgendes nachlesen: 334 Teilnehmer, darunter zwei Damen, erreichten das Ziel - 108 Kraftwagen und 226 Kräder. Entsprechend der Ausschreibung mussten an sechs Tagen pro Tag mindestens 100 Kilometer, höchstens 500 Kilometer gefahren werden. Sieger war der Teilnehmer mit den meisten Kilometern. So siegte der Hamburger Kollege Düwel mit 3890 gefahrenen Kilometern. Die Fahrtstrecke: Hamburg - Braunschweig - Marburg - Heidelberg - Rheinbrücke Kehl - Paris - Orleans - Tours - Poitiers - Bordeaux - Biarritz - Toulouse - Narbonne - Besancon - Belfort - Breisach - Berlin - Danzig. "Dr. Ing. Düwel, der Beamter der Hamburger Polizei ist, hat seine vorjährige Leistung bei um einen Tag längerer Fahrzeit um rund 1.000 Kilometer verbessert. Leider passierte ihm auf der Fahrt in Nürnberg ein Verkehrsunfall, der ihn aber nicht hinderte, mit verbundenem Fuß weiterzufahren. Der Unfall erwies sich aber so schwer, dass er sich heute in Danzig in ärztliche Behandlung begeben musste und voraussichtlich für acht Tage ans Bett gefesselt sein wird", so die Danziger Zeitung vom 02.09.1931. Übrigens: Dr. Düwel war mit dem Motorrad unterwegs! Beste Mannschaft war mit 15 Teilnehmern und 19.182 Kilometern das Team aus München.

Die Siegerehrung im "Roten Saal" des Kurhauses Zoppot war für alle Teilnehmer ein Erlebnis.



1932: KAISERSLAUTERN

Die 3. Internationale Polizeisternfahrt führte nach dem Westen, zur Stadt im Herzen des weitläufigen Pfälzer Waldes: Kaiserslautern. Wie uns Teilnehmer dieser Fahrt mitteilten, gehörte die Exkursion durch die Pfalz zu einer der schönsten Unternehmungen.

Drei Bereitschaften der Bayerischen Bereitschaftspolizei bereiteten den aus Europa und Afrika (!) gestarteten Polizeisternfahrern vor den "Fruchthallen" (Marktplatz) in Kaiserslautern einen einmaligen Fackelzug. Erstmalig nahmen auch Radsportler aus fünf Nationen teil. Die Berliner Mannschaft mit 45 Teilnehmern unter Führung von Polizei-Oberleutnant Walter W. Steinke siegte in dieser Disziplin vor Leipzig und einer ungarischen Mannschaft.

Ein Kuriosum : Da der geplante Termin dieser Sternfahrt kurzfristig verschoben werden musste, wurde für die Mannschaft des Militärmotorsportclubs Rostock bereits im Juli eine "Vor-Sternfahrt" durchgeführt.

In diesem Jahr wurde zum ersten Mal der "Kronprinz-Rupprecht-Wanderpokal" vergeben: ihn erhielt die Polizei Kaiserslautern.



1933: DRESDEN

"Ratternde Motoren auf allen Fernstraßen, Wagen verschiedenster Arten und Größen, Räder mit und ohne Seitenwagen - und alle ein Ziel: Sachsens Landeshauptstadt Dresden. Das ist die internationale Polizeisternfahrt 1933 veranstaltet vom Motorsportclub der Schutzpolizei Dresden (ADAC)," schrieb die Dresdner Zeitung vom 28.08.1933. "Der erste Kraftwagen, der das Ziel erreichte, war ein hellblauer 36-er Stoewer-Sportwagen mit Frontantrieb."

In Dresden nahmen die deutschen Polizisten für lange Zeit Abschied von vielen Freunden aus dem Ausland. Die politischen Ereignisse dieses Jahres überstürzten sich. Am 30. Januar wurde Hitler Reichskanzler, der Reichstagsbrand, der Tag von Potsdam, das Ermächtigungsgesetz, die Berufung von Reichsstatthaltern in allen Ländern, die Auflösung von Parteien und Gewerkschaften, der Austritt aus dem Völkerbund - das waren die wichtigsten Ereignisse und Daten dieses Schicksalsjahres. Aber dennoch blieb Dresden in guter Erinnerung. Unsere Sternfahrer lernten nicht nur die Pracht dieser Stadt kennen, sondern sie besuchten auch die idyllische Sächsische Schweiz und verbrachten einen erlebnisreichen Tag in Meißen.

Gewinner des Kronprinz-Rupprecht-Wanderpokals war der PSV Darmstadt.



1934: NÜRNBERG

Die 5. Internationale Polizeisternfahrt führte die Teilnehmer vom 4. bis 6. August nach Nürnberg, der Stadt Albrecht Dürers. Durch den Tod von Reichspräsident von Hindenburg wurden alle geselligen und festlichen Veranstaltungen abgesagt. Die sportlichen Wettbewerbe wurden aber durchgeführt. "Diese Sternfahrt übertraf hinsichtlich der aktiven Beteiligung alle bisherigen Sternfahrten der Polizisten, sie war aber auch vielleicht die nässeste und anstrengendste, denn Sturm und Regen jagte während der Fahrtage durch Deutschlands Gaue und stellten an Fahrer und Maschine die denkbar größten Anforderungen," so die Nürnberger Zeitung vom 06.08.1934. Gewinner des Kronprinz-Rupprecht-Wanderpokals war wieder der PSV Darmstadt.

Schon in diesem Jahr machte sich die kommende Umorganisation innerhalb der deutschen Polizei bemerkbar. Die weitere Durchführung von Polizeisternfahrten wurde plötzlich fragwürdig. Überhaupt wurde der gesamte Sport - und insbesondere der Motorsport - von "nationalen Kräften" beeinflusst, von Kräften also, denen das Wort "international" im Hals stecken blieb. So konnte es keine Überraschung sein, dass sich kaum jemand fand, der die kommende Sternfahrt übernehmen wollte. Dabei hatte man schon seit geraumer Zeit mit dem Gedanken gespielt, die Durchführung einer Sternfahrt einmal einer ausländischen Polizeidienststelle zu überlassen, damit der internationale Charakter der Veranstaltung noch deutlicher zum Ausdruck kommen sollte.



1935: FRANKFURT AM MAIN

Zum Glück erklärten sich unsere Frankfurter Kollegen bereit, die 6. Internationale Polizeisternfahrt durchzuführen. Den Teilnehmern ist in ihrem Gedächtnis besonders der Empfang auf dem altehrwürdigen Römerberg und die Besichtigung der damals noch unzerstörten Altstadt haften geblieben. Gewinner des Kronprinz-Rupprecht-Wanderpokals wurde die MSA/PSV Frankfurt/Main. Der ein Meter hohe Bronzeadler der Adlerwerke auf seinem Marmorsockel wurde nach dem Krieg noch im Café Westend - Ecke Reuterweg/Grüneburgweg - in Frankfurt gesehen, ist jedoch nach Umwandlung des Cafés in eine Sparkassefiliale im "Untergrund" verschwunden.....

Diese 6. Internationale Polizeisternfahrt sollte für 17 Jahre die letzte sein, da die Spannungen mit dem Ausland immer größer wurden. Der Gedanke an die völkerverbindende Kraft dieses motorsportlichen Ereignisses wurde in den Hintergrund gedrängt!

 

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